2/02/2012

Schwedisch für Anfänger

... oder wie wir auszogen um mal kurz nach Berlin zu fahren und uns hoffnungslos verliefen.


IKEA Tempelhof (made by myself)

Genau. Mein Tag begann heute ziemlich spät, weil ich gestern Abend nicht einschlafen konnte.
Der Gedanke plagte mich, dass morgen alle gut gehen musste! Als ich dann heute völlig fertig mich aus dem Bett rollte (im wahrsten Sinne des Wortes...! -.-), hatte ich gleich das Gefühl, dass dieser Tag etwas gaaanz Besonderes bringen würde. Und meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Aber lest lieber selbst!

Überpünktlich stand Livi heute vor meiner Tür und grinste mich bis über beide Ohren an. Also ließ ich sie schnell aus der Kälte zu mir rein. "Heuet ist es so weit!", kreischte sie. "Jaaaa!", kreischte ich zurück. Falls jemand es immer noch nicht begriffen hat und wegen ungünstigen Umständen die Posts vor diesem hier nicht gelesen hatte:

Meine real life-Freundin (und blogger- Freundin) Livi und ich planten seit einer Woche einen gemeinsamen Ausflug nach Berlin, zu IKEA. Wir hatten über Stunden uns ein Plan erstellt. Ich hatte bis aufs Blut erst mit der Seite der Berliner S-Bahn gekämpft, die mir alle drei Minuten sagte: Die S1 fährt am 15.2. wegen Umbauarbeiten am Gleis nicht. Bitte beachten sie das. Wir wünschen ihn eine gute Fahrt! (jedes Mal klickte ich gewalttätiger auf meine Maus auf abbrechen!) und später dann mit der Seite vom VBB. Wir hatten also einen Plan. Aber Pläne sind nun mal dazu gemacht sie zu brechen. Na ja, im normal Fall sollte das nicht passieren,... aber kann man den von einem normal Fall reden wenn eingefleischte "Kids vom Lande" sich auf Teufel komm raus in die Hauptstadt begeben wollen? Mit der s-Bahn?! Lassen wir also diesen Gedanken und kommen wieder zurück.

Wie gesagt, wir hatten Himmel und Erde versetzt und schließlich stand Livi voller Tatendrang in meinem Zimmer:
"Ich hab den Nagellack dabei!", murmelte sie, während sie in ihrer Tasche nach der Tüte wühlte. "Nagellack?", wenig Schlaf lässt mich manchmal ein bisschen auf dem Schlauch stehen. Schließlich fand sie in ihrer Tasche das wonach sie gesucht hatte. Zwei Fläschchen mit Nagellack. Blau und Gelb. Ich erinnerte mich schwach, dass wir den Plan (ja gefürchtet dieses Wort) hatte, uns die Nägel mit der Schwedenflagge zu lackieren. Also setzten wir uns gemütlich hin und begannen uns den Nagel zu lackieren. Als ich fast fertig war schweifte mein Blick zur Uhr. SCHOCK! "Shit, unser Bus kommt gleich!", schrie ich und sprang auf. Livi und ich rannten also quer durchs Zimmer, rissen unsere Taschen hoch, rannten nach unten. Auf dem Weg zur Bushaltestelle versuchte ich mich dann vollständig anzuziehen. Livi war vorausgerannt und brüllte mir immer wieder zu: "Lauf, den Bus kriegen wir noch." Vielleicht hätten wir den Bus noch bekommen, wenn meine Uhr sich nicht entschlossen hätte genau in diesem Moment von meinem Handgelenk zu flüchten. Das viel mir allerdings erst kurz vor der Haltestelle auf:

"Nein!" (panisch)
"Was?`" (genervt)
"Meine Uhr!" (Panik stieg weiter an...)
"Was ist mit der Uhr?" (Nerven lagen blank)
"Meine dumme Uhr ist weg!" (den Tränen nah)
"Och neee....!" (kurz vorm Nervenzusammenbruch)

 Jetzt stellt ihr euch sicher die Frage:
"Alter? Wieso macht die so Panik wegen 'n Uhr" und "Dann hättet ihr den Bus halt verpasst, warum so ein Stress?"
Klare Antwort:
Diese Uhr habe ich erstens schon sehr lange, es hängen also sehr viele Erinnerungen dran und zweitens habe ich sie schon mal aus einem Bach retten müssen, weil sie mir (geschickt wie ich bin!) durch den einzigen Spalt in der ganzen Brücke ins Wasser gefallen ist. Aber das ist eine andere Gesichte.
Und zu der zweiten Frage: Weder Livi noch ich sind richtige Bus/Bahnfahrer. Unsere Erfahrungen mit diesem Element waren also ziemlich klein. Außerdem brachten uns der Verlust meiner Uhr und das darauf folgende Suchen völlig aus unserem perfekten Zeitplan. Was also tun?  Wir entschlossen uns den Bus fahren zu lassen und stattdessen meine Uhr zu suchen. Die ältere Dame sie an ihrem Fenster saß muss sich wahrscheinlich gedacht haben: Die Jugend von heute... erst hetzen sie den Berg runter, dann laufen sie wie begossene Pudel wieder im Schneckentempo den Berg hoch und starren auf den Boden.


Nur ein paar Häuser von meinem Haus entfernt fanden wir sie. Meine Uhr. Stolz, sie wieder zu haben gingen wir also zur Bushaltestelle. Den eigentlichen Bus hatten wir natürlich um gute 10 Minuten verpasst. Macht nichts, denn auch in unserem kleinen Dorf kommen die Busse alle 20 Minuten wieder. Wir warten also. Und warten. Und warten und warten und... frieren ein! Ungelogen. Meine Finger waren so kalt, das ich sie nicht mehr gespürt hatte.
Irgendwann kam dann der Bus. Da Livi keine Schülerbusfahrkarte hatte, im Gegensatz zu mir, musste sie eine kaufen. Ich bekam ihre Unterhaltung mit dem genervten Busfahrer nur am Rande mit. Auf jeden Fall sprachen sie aneinander vorbei.
Als wir uns dann endlich auf die Sitze fallen ließen und ich zum Xten Male meine Tasche untersuchte, ob ich auch bloß nichts verloren hatte wurde mir auf einmal klar:

"Mist, ich hab die Karte vergessen."
"Welche Karte?"
"Die ABC Karte..."

made by myself
Nach einem weiteren Lachanfall  kamen wir an unserer Haltestelle an und sprangen raus. Von weitem sahen wir die s-Bahn wie sie immer noch da stand. Unser Zeitplan war also noch in Takt. Wir hetzten also an alle vorbei. Im Laufen schrie Livi mir zu: "Hol das Geld raus, ich tippe ein" Sie meinte natürlich das Geld für die Fahrkarte. Nach einem kurzen Kampf mit dem Fahrkartenautomat der Bahn spuckte er die Karte aus und wir sprangen in die Bahn. Doch...

"Warte, das ist nicht Gleiß 1!", Livi schaute panisch auf den Bahnsteig.
"Aber die Bahn fährt doch vom ersten. Wir sind nicht falsch... die blöde Bahn ist falsch.", leider sagten ich das ein wenig zu laut und die ersten Mitfahrer drehten sich auf ihren Plätzen zu uns um.
Wir sprangen also wieder auf den Bahnsteig. Aber weit und breite keine Spur von der richtigen Bahn auf dem richtigen Gleiß. Wir spielten das Spiel "Spring in die Bahn und wieder raus" also etliche Minuten bis ein Fahrgast uns etwas genervt sagte: "Die Bahn fährt heute nur von Gleiß 2"Ich wollte das aber noch nicht glauben, denn ich war mir sicher, dass ich im Internet etwas anderes gelesen hatte!
"Und die fährt auch nach Südkreuz?" Der Mann nickte heftig:
"Ja, auch nach Südkreuz."
Mir lag auf der Zunge zu fragen ob es mehrere Südkreuze gäbe, ich ließ es aber darauf beruhen und Livi uns ich setzten uns dann erschöpft auf die nächst besten Plätze.

made by myself

Die Fahrt über quasselten wir ununterbrochen. Bis ich schließlich DIE Frage des Tages fragte: "Sag mal... wie kommen wir eigentlich vom Bahnhof zu IKEA?" Livi musste laut loslachen und die Fahrgäste drehten sich erneut um. "Keine Ahnung, ich dachte DU weißt das!" Pustekuchen. Doch es gab ein Lichtblick. Schräg hinter uns saß eine Gruppe von Leuten und unterhielten sich. Livi sagte mir, dass sie auch zu IKEA wollten. Wir "James Bond"-Generation kamen also zum Schluss: Folgen wir ihnen, dann kommen wir bestimmt zu IKEA. Blöderweise war der Bahnhof Südkreuz wohle ein Knotenpunkt, denn auf einmal strömte eine Masse aus Leuten auf uns zu und wir verloren unsere "Opfer" aus den Augen. Da standen wir also. Allein mitten in Berlin auf einem Bahnhof. Wussten nicht wie wir hier weg kamen und wo wir hin müssten.

Bahnhof Südkreuz (made by myself)

Wir fassten also einen neuen Plan. Den Notfall Plan!
Und der sah so aus:
"Einfach los laufen und hoffen, dass es die richtige Richtung ist!" Dieser Plan brachte uns aber nicht weit, denn weder Livi noch ich wollten uns verlaufen. Außerdem hatten wir uns wieder einmal lautstark beschwert.





"Man hier ist ja nichts ausgeschildert!" (ich)
"Wie soll man sich den hier zu Recht finden?" (Livi)
"Gott, ist das peinlich. Wir sind Berliner und kennen uns nicht aus." (Livi)
Dann kam mir eine Idee.
"In Köln war alles viel besser ausgeschildert!", rief ich extra laut, damit auch alles es hörten.
Livi schaute mich fragend an.
"Wir tun so als würden wir aus Köln kommen", sagte ich mit vollste Überzeugung. "Dann ist es nicht ganz so peinlich!" Was auch stimmte. So gingen wir also durch den Bahnhof und suchten nach einem Stadtplan oder ähnlichem. Wir fanden uns in einer Infozelle der Bahn wieder. Es war so still und wir fanden es unangebracht jemanden zu fragen: "Wo geht es hier zu IKEA?" Also liefen wir wieder raus. Diesmal in eine Apotheke. Die Frau im weißen Kittel kam gerade aus dem Hinterzimmer:

"Was kann ich für euch tun?", fragte sie.
"Öhm, wir wollen nichts von alle dem hier.", anders konnte ich es gerade nicht beschreiben und deutet mit ausholender Geste auf die Artikel um uns herum.
"Wir wüssten gerne wie man von hier zu IKEA kommt.", versuchte Livi es.
Als wäre es das normalste, als würden ihr tausend Menschen das jeden Tag fragen, antwortet sie:
"Erst rechts, dann Links und vorher noch über den Bahnhof."
Wir bedankten uns und gingen aus dem Bahnhof, nach ein paar Schritten wollte ich mich bei Livi vergewissern, dass ich die Frau richtig verstanden hatte:

"Wir müssen jetzt rechts, oder?" (nervös)
"Ähm... ich weiß nicht. Ich hab nicht zugehört." (panisches Lachen)



Wir gingen immer der Nase nach und irgendwann konnte ich das IKEA Schild aus der Ferne sehen. Wir standen zu diesem Augenblick auf einer Überführung. Also suchten wir die Treppe zur Straße. Als wir dann nach einer kurzen Diskosion unten standen war das IKEA Schild wieder weg. Also entschlossen wir einfach nach rechts zu gehen. Nach 3 Minuten Unsicherheit "überfielen" wir dann noch eine Frau, die uns schließlich den richtigen Weg nannte und nach der nächsten Ecke sahen wir das Schild. Die Freude war groß.
IKEA wir kommen! (made by mys
Als wir total durchgefroren in der Eingangshalle standen begannen wir wieder über das Jacken-Problem zu reden. Weder Livi noch ich wollten unsere dicken Wintermäntel mit uns rum schleppen. Nach einigen Minuten hörten wir hinter uns eine genervte Stimme: "Määäädels!" Wir waren bis zur Rolltreppe gegangen und genau davor stehen geblieben. Hinter uns hatte sich eine Schlange von genervten Leuten gebildete, die alle darauf warteten hoch gehen zu können. Lachend gingen wir schnell zur Seite und fanden dann die Schließfächer. Da ich den Teilen aber nicht traute testete ich sie 5 Mal bevor ich meine Jacke drin einschloss. Als wir schon fast wieder an der Rolltreppe waren fiel Livi ein: "Halt, ich will mein Schal noch einschließen." Ich testete das Schließfach weitere 5 Mal und dann ging’s los.

Mitten  auf der Rolltreppe viel uns ein- wir müssen noch mal auf die Toilette! Wir probierten also die Rolltreppe wieder nach unten zu gehen, mit wenig Erflog. Wir bewegten uns kaum von der Stelle. Von Lachkrämpfen geschüttelte spukte und sie Rolltreppe dann oben in der Ausstellung aus. Wir sausten durch sie durch, griffen hier und da mehre Hände voll IKEA-Bleistifte und suchten uns unnötigen Kram aus. Wir testeten Sofas und Stühle, kuschelten mit Kunstfellen, legten uns auf Teppichstapel und wollten Kissen kaufen. Wir stellten IKEA-Angestellten unnötige Fragen, haben Lachanfälle die uns in die Knie zwingen und aßen Köttbullar. Ich hielt die Sachen während Livi eine große Portion bestellte. Die Augen der Leute hinter ihr wurden dabei bestimmt Teller groß.


made by livi
Nach dem wir alles angeschaut hatten gingen wir zur Kasse und nachdem wir den Akt der Bezahlung abgeschlossen hatten holten wir uns Hot Dogs und ließen alles noch mal Revue-Passieren. Neben uns am Stehtisch stand eine Frau und unterhielt sich mit ihrem Freund: "Du, ich hab n Gurke am Absatz kleben! Deswegen rutsche ich auch die ganze Zeit..." Vor Lachen prustete ich laut in meinen Preiselbeersaft. Später verbrachte ich ungefähr 5 Minuten damit eine Eismaschine zu beschimpfen, die immer wieder sagte: Drücken sie die Einstaste. Leider gab es keine Einstaste. Das gute Stück meine die EIStaste. Livi stand am Tisch, sah mir zu und lachte und lacht! Um sie herum aßen die Leute jetzt schneller, bestimmt hatten sie Angst, dass Livi aus irgendeiner Anstalt ausgebrochen war.



Da wir noch ein bisschen Zeit hatten kam uns die Idee an einer Einpack-Station unsere neuen Notizbücher einzupacken. Wir legten also los.

"Wie spät ist es denn jetzt?", fragte Livi, die versuchte ihr Paket nicht so aussehn zu lassen, als sei ein Auto drüber gefahren, was ihr nicht gut gelang. Wir begannen beide in unseren Taschen nach einem Handy zu wühlen und uns viel die sehr große Uhr nicht auf, die genau über der Station hing mit einem Durchmesser von einem Meter.
"Sag mal, haben dir hier kein Klebeband? Wie stellen die sich das eigentlich vor?", genervt von meiner eigenen Unfähigkeit mit Papier und Paketband eine Quadratische Form zu verpacken ließ mich ein wenig aufbrausen. Livi hatte auch keine Ahnung. Dann fiel mir die rote Schrift auf: "Klebeband an der Kasse erhältlich.", lass ich laut vor. Wir drehen uns also um und sehen- eine Meter lange Schlange von Leuten die wirklich was zum einpacken haben. Peinlich berührt schleichen wir uns davon mit 1000 von Entschuldigungen.

Wir ließen und auf ein Sofa fallen und erinnerten uns an die abenteuerliche Hinfahrt, an die Lachanfälle in den verschiedenen Badezimmern, bei denen Ich am Boden lag uns mich nicht mehr halten konnte und an die Meinungsverschiedenheiten, was der Nutzen von dem 101 Kissen ist, das man hätte kaufen können.




Auf jeden Fall war es ein hammer Tag und als wir gestern nach Hause gefahren sind haben wir beim Bilder machen den Plan gefasst bald mal wieder zu IKEA zu fahren. Vielleicht finden wir den weg jetzt auch ohne ständiges Fragen. Denn: Übung macht den Meister und alle guten Dinge sind drei!!













 Ich hoffe euch hat  der Bericht gefallen (wenigstens ein bisschen!) über ein Kommentar würde ich mich wie immer freuen!

4 Meinung[en]:

Olivia hat gesagt…

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA *auf Boden rumkugel* Das waar sooo genial! :))
Ich kann nicht meehr! xDDDD

Chrisi hat gesagt…

Klingt ja echt witzig, euer IKEA Tag =D Und ich trau diesen Schließfächern auch nie ;)

Tarya hat gesagt…

Eine entzückende und erstaunlich witzig erzählte Geschichte :D Ihr scheint ja echt viel Spaß gehabt zu haben :D

Lichterzählerin hat gesagt…

Ich hatte ja schon zu Livi gemeint (sorry! <3), dass ihr Bericht super geil war - aber deiner den doch noch ma übertroffen!!! :DDDDDDD Oh man, ich hab Tränen in den Augen vor Lachen! (Und es ist echt beängstigend: Aber ich finde immer mehr ähnliche Sachen!)
Und die Fotos sind toll geworden *__* <33333

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über jeden Kommentar!! :)