4/22/2012

Rezension zu "Je süßer das Leben" - Darien Gee


Seit ich das Buch begonnen hatte, brenne ich darauf, die Rezension zu schreiben. Nicht nur, weil es mein erstes Rezensionsexemplar ist, sondern vor allem auch, weil das Buch einfach es wert ist! Alle Kritiken am Buch und auch Lobäußerungen entsprechen ausschließlich meiner eigenen Meinung!







Titel: "Je süßer das Leben“
Autor: Darien Gee
Aus dem Amerikanischen übersetzt: Andrea Stumpf
Genre: Roman
Verlag: Blanvalet
Seiten: 479
Preis: € 8,99 [D]
ISBN: 978-3-442-37799-2


Cover (c) by blanvalet



 

 

  Inhalt

Nach einem Schicksalsschlag hat die Welt alle Freude und Farbe für Julia Evarts verloren. Doch eines Nachmittags findet sie und ihre kleine Tochter Gracie auf dem Stufen ihres Hauses ein Teller mit einem selbstgebackenen Brot, einen Plastikbeutel mit einer unscheinbaren Kugel Teig, eine Backanweisung und ein gelbes Post-it, auf dem steht: „Ich hoffe, sie mögen es.“
Teilen und genießen? Julia macht die Probe aufs Exempel und gibt den Teig an zwei Frauen weiter, die sie in der Teestube trifft. Noch ahnt sie nicht, dass diese Freundschaftsgeste der erste Schritt sein wird, der sie zurück ins Leben bringt und in ihrer kleinen Stadt eine Lawine an Freundschaft, Liebe und Gemeinschaft auslöst …
(Quelle: Klappentext)

Meinung

Da es mein erstes Rezensionsexemplar ist, habe ich mich wie ein Schneekönig auf das Eintreffen des Päckchens gefreut. Als es dann endlich kam, habe ich alles stehen und liegen lassen und habe gleich begonnen zu lesen. 

Ich finde das Cover, ja die ganze Aufmachung des Buches ist sehr hübsch. Es ist auf jeden Fall ein Hingucker. Vor allem die drei Cupcakes und die hübsche, rote nicht zu verschnörkelte Schrift haben es mir angetan. Und - dass hinten im Einband ein Rezept drin ist, gefällt mir sehr. 

Was mich an dem Buch wirklich fasziniert ist, dass es nicht aus der Sicht nur eines Menschen geschrieben ist. Die Hauptcharaktere sind Julia, Hannah, Mark, Livvy und Edie. Hin und wieder kommt noch Madeline hinzu. Doch dann sind da noch die anderen Bewohner von Avalon. Man springt beim Lesen sozusagen zwischen den einzelnen Köpfen der Anwohner hin und her. Man bekommt unterschiedliche Eindrücke der Personen. Man lachte mit ihnen oder man steht kurz vorm Losheulen. Am meisten verzweifelte ich beim Lesen des Buches bei der verfahrenen Situation zwischen Julia und ihrer kleinen Schwester Livvy. Die von Darien Gee gestalteten Charaktere sind das Beste, wie ich finde! Anders als die Personen aus den Büchern, die man im Moment überall antreffen kann, sind das wirkliche, echte Menschen! Menschen mit Problemen, Ängsten, Wünschen. Menschen, die genauso gut in der eigenen Nachbarschaft leben könnten. 

Julia tat mir das ganze Buch über schrecklich leid. Doch manchmal hätte ich sie am liebsten an den Schultern gepackt und fest durchgeschüttelt, damit sie aus ihrem Alptraum aufwachen kann. Sie verhält sich am Anfang nicht fair gegenüber ihrem Mann Mark, der wirklich alles tat um seine Frau zu stützen. Sie ist verschlossen, traurig, gebrochen. Das änderte sich allerdings schnell als sie auf Madeline und Hannah trifft. Die beiden Frauen tauen, die zu Eis erstarrte Julia wieder auf und formen sie zu dem,  was sie früher einmal war und sich über die Jahre in einen leblosen Schatten ihrer selbst verwandelt hat. Ungefähr bei der Hälfte des Buches hätte ich es gerne gegen die Wand geschleudert, was ich dann doch lieber nicht getan habe, weil das Buch mir zu kostbar erschien. Der Grund für meine Verzweiflung war, dass Julia auf ihrem schwierigen Weg an zu ihrem alten Ich an einer Weggabelung ankommt.

Mark, Julias Ehemann, bewunderte ich die ganze Zeit über. Obwohl Julia ihm das Leben wirklich nicht leicht macht und auch er bis zum Hals in Kummer versinkt, bleibt er immer aufrichtig seiner Familie gegenüber. Auch Vivian kann Marks Liebe zu Julia nicht zerstören, obwohl sie ihn oft genug darauf hin weißt, dass seine Ehe schon vor langer Zeit an einem toten Punkt angekommen ist. Nie lässt Mark seine Wut an seiner trauernden Frau aus, die sich immer mehr von ihm distanziert, noch an seiner kleinen Tochter Gracie. Trotz des schrecklichen Vorfalls geht er weiter zur Arbeit und versorgt seine Familie. Niemand hat Mark einmal gefragt, ob es ihm gut geht. Dass er überhaupt so weiter funktioniert wie früher ist für alle selbstverständlich.

Hannah ist mein Lieblingscharakter. Ich bewundere sie, wie sie allein in einer fremden Stadt ihren Alltag meistert. Ich empfinde, was sie da alles so erdulden muss, ungerecht. Erst das Problem mit ihrer Musik und dann das mit ihrem Ehemann Phillipe. Dass sie in Julia und Madeline zwei gute Freundinnen findet, machte mich richtig glücklich. Ich baute beim Lesen des Buches eine derart starke Sympathie zu ihr auf, so dass ich manchmal ganz vergaß, dass es Hannah nur im Buch gibt.

Mein Bild von Livvy änderte sich während der Lektüre des Buchs. Erst dachte ich, sie sei ein unbedeutender Nebencharakter. Aber diese Erwartung erwies sich als falsch, denn hinter Livvys Cheerleader-Blondinen-Aussehen, steckt eine verzweifelte Frau, die sich jeden Tag aufs Neue Vorwürfe macht. Die Umstände, die sie von ihrer Schwester entfremdet hatten, nagen an ihr und lassen sie nicht los. Der Autorin Darien Gee gelingt es mühelos einen an Livvys Gedanken teilhaben zu lassen. An manchen Stellen berührte mich die Lektüre so, dass ich mir die eine oder andere Träne aus den Augen wischte. Der Wunsch nach einer Versöhnung zwischen den beiden Schwestern wurde immer stärker, je besser ich Livvys Charakter kennen lernte.

Edie, die rasende Reporterin, die immer eine etwas andere Einstellung zu allem hat, als die anderen Menschen um sie herum in Avalon, regte mich tierisch auf. Sicher, an manchen Stellen tut sie mir schon leid. Aber ihrer Verbissenheit und ihre Einstellung "Ich brauche keine Freunde; Ich brauche eine gute Story!" schreckte mich ab.
Edies bessere Hälfte ist ihr Ehemann Richard, den ich wirklich nett finde. Er setzt sich gegen sie durch, was kein Zuckerschlecken ist. Richard bringt Humor in die Kapitel, in dem die Geschichte aus Edies Blickwinkel erzählt wird. Als Team gefielen sie mir. Edie ist dagegen die Verkörperung eines üblen Charakters.

Madeline ist immer und zu jeder Zeit lieb und einfühlsam zu allen, die zu ihr kommen, die sie um Rat bitten oder einfach nur eine gute Tasse Tee und ein Stück Kuchen geniesen. Sie ist weise und spontan, aber nicht planlos. Sie schenkt jedem, der es möchte, einen guten Rat. Durch ihren Umzug nach Avalon wurde die Stadt ein kleines bisschen heller. Ich fand es toll, wie sie Connie einfach zu sich aufnimmt, obwohl sie eine völlig Fremde ist. Sie schenkt den richtigen Leuten Vertrauen und hilft ihnen aus der Klemme. Aber jeder Mensch hat ein kleines Geheimnis, dass er tief in sich verborgen mit sich herumträgt. Madelines Geheimnis ist Benjamin. Es machte mich traurig, als sie von ihrer Vergangenheit sprach. Ich wünschte mir ein Wunder. Wieso sollte Madeline nicht einmal das zurück bekommen, was sie anderen gibt?

Die anderen Charaktere, die in Avalon leben gefallen mir. Ich mochte es, wie ihre Namen im Verlauf ständig wieder auftauchten. Wie es in einer Kleinstadt nun mal ist: Jeder kennt jeden! Das Beste am Buch ist allerdings, dass es ein rundes Ende gibt. Es ist perfekt, wenn auch ein kleines bisschen traurig. Der erste Charakter im Buch sollte der letzte sein. Mit ihm begann alles und mit ihm endete es auch. Der Kreis schloss sich.

Es war, als würde ich, wenn ich das Buch aufschlage, ein Knopf drücken. Ich wurde ins Buch gezogen und saß nicht mehr in meinem Zimmer. Ich stand in der Küche von Madelines Teestube oder hörte Hannah beim Cello spielen zu. Ich bewegte mich im Buch. Obwohl Darieb Gee die "Jetzt"-Form benutzt und das für mich eher ungewohnt ist, gefiel mir ihr Stil sehr. Der Schreibstil ist hervorragend, er fesselt. 

Die Idee, die hinter "Je süßer das Leben" steckt ist wirklich einzigartig. Diese Idee das Prinzip „Kettenbriefs“ - ein Schneeballsystems also - einmal ganz anderes zu verwenden, fand ich ziemlich interessant. Ich selbst bin jemand, der aller Wahrscheinlichkeit nach den Beutel mit dem nicht gerade ästhetisch aussehenden Teig schnellstmöglich (ökologisch korrekt auf dem Kompost !) entsorgt hätte. Aber die Begeisterung der Avaloner für das süße Freundschaftsbrot sprang aus dem Buch und ging auf mich über. Zwar hatte ich keinen Beutel, den ich hätte backen können, suchte mir allerdings aus dem Internet ein Rezept für Muffins raus und begann sofort mit dem Backen. Zwar sehen sie nicht so wunderschön aus, wie die auf dem Cover, schmeckten aber erstaunlich gut.

Die Umsetzung der Idee in die Wirklichkeit ist Darien Gee wirklich sehr gut gelungen! Bezaubert von "Je süßer das Leben" habe ich mich bereits nach weiteren Werken von ihr umgesehen.

Kurz und knapp:
Das wunderschöne Cover und die Charaktere von "Je süßer das Leben" lassen das Buch wirklich strahlen. Die "Kettenbrief-Freundschaftsbrot- Idee" gefiel mir von Anhieb an. Die Verstrickung der verschiedenen Blickwinkel ist etwas Neues. Das ständige Backen im Buch brachte mich schließlich dazu, selber zu Mehl, Zucker und Milch zu greifen. Viele Leser, die auf plötzlich endenden Bücher stehen, werden vielleicht sagen: "Wie langweilig, überhaupt keine Spannung!" Aber wer mit diesem Gedanken an das Buch geht, sollte sich wirklich überlegen, ob er nicht doch ein anderes lesen will. Denn dieses Buch braucht gar keine Spannung! Es lebt von seiner Handlung und nicht wie zweitklassische Bücher von ihrem Ende! "Je süßer das Lebe!" ist rund, perfekt, ohne Fragen die offen bleiben. Denn die größte Frage, die sich die Avaloner immer wieder gestellt haben und bis zum Ende unbeantwortet blieb, klärte sich auf den letzten vier Seiten des Buches. Als ich es zuklappte schoss mir die Erkenntnis in den Kopf, die von dem Buch ausgehen sollte. Egal wie aussichtslos etwas erscheint, manchmal genügt es jemanden eine große Freude zu machen, auch wenn es nur ein Paar Scheiben Kuchen sind, um in Frieden und Harmonie sein Leben zu verbringen. Darien Gee schafft es, dass die Bürger von Avalon genau das verstehen und es gab wirklich für alle ein Happy End.

Idee: 3/3 Punkten
Umsetzung: 3/3 Punkten
Schreibstil: 3/3 Punkten 
Aussehen: 3/3 Punkten
Charaktere: 3/3 Punkten

Gesamt:  15 /15 Punkten

Note: 1+
 „Je süßer das leben“ ist Liebe und bietet ein kleines bisschen sonniger Hoffnung
 zu einer Zeit, da das Glück nicht hinter jeder Ecke wartet.

Mein Dank geht an den Blanvalet Verlag
für die freundliche Überlassung
und schnelle Zusendung des Rezensionsexemplars.

 

6 Meinung[en]:

Christine hat gesagt…

1. Herzlichen Glückwunsch zu deinem allerersten Rezensionexemplar... aber was ist mit dem Fotoshoot??? Nein Spaß..
2. Schön, dass es dir auch noch so gut gefallen hat.
Liebe Grüße
Christine...nein entschuldige Tine/Tinchen

ThacMS Olivia. hat gesagt…

WUNDERSCHÖNE REZI!!!!!! :D
Bring das Buch bittöööö an dem *duweißtschon*Tag mit!!! ;)

Lichterzählerin hat gesagt…

:OOOOOOOOOOO WUNDERWUNDERWUNDERWUNDERSCHÖNE REZI!!!!!!!!!!!!!!!!! Gott, deine sind TAUSEND MAL besser als meine, ALSO ECHT!!!!! <33333333333333

Leseelfe hat gesagt…

Total schöne Rezi :) Und ich hatte heute auch mal Zeit mir die ganze Rezi durchzulesen :) Wenn die Rezi so lang ist, hab ich oft keine Zeit dazu...Deshalb finde ich es auch total gut, dass du deine Meinung auch noch einmal kurz und knapp zusammenfasst :D
Das Buch ist übrigens sofort auf meine Wunschliste gewandert ;)

Christine hat gesagt…

Das war ein Witz! Mach dir doch keine Sorgen... wegen dem Fotoshoot... ich freue mich auf den Riesenpost! Bis dann <3
Tinchen

Lichterzählerin hat gesagt…

Dein Informations-Text ist übelst toll geworden <33333333333333 Ich brauche übrigens noch mehr Musik-Empfehlungen von dir!!!!!! :D

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